Die Reportage zum Papstbesuch ist jetzt online in der ZDF-mediathek verfügbar. Und ich möchte noch auf eine andere Reportage hinweisen, die zwar nichts mit dem Papst zu tun hat, aber auf einem ganz anderen Weg zur gleichen Frage gelangt: Wie kann man die Strukturen verändern, die die einen gewinnen und die anderen verlieren lassen? Aus der Reihe SWR2-Wissen der Beitrag "Die Faust der reichen Welt" von Falk Fischer (zum Hören und Lesen).
Das Feature erzählt unter anderem die völlig verrückte Geschichte der europäischen Tomaten, die im südspanischen "Plastikmeer" wachsen, auf riesigen subventionierten Plantagen. Die Tomaten sind so billig und so zahlreich, dass sie nach Afrika verkauft werden und dort zu Spottpreisen die Märkte überschwemmen. Der Autor berichtet, dass man in ganz Afrika kaum mehr heimische Tomaten bekommt, weil die europäischen so billig sind - und so ist das auch mit Hühnern, Milch und anderen Produkten. Die subventionierte Massenware nimmt aber den Menschen vor Ort die Arbeitsmöglichkeiten, denn es lohnt sich nicht mehr, selbst Tomaten anzubauen oder Hühner zu züchten. Und so wandern viele Afrikaner aus, nehmen den beschwerlichen und gefährlichen Weg nach Norden auf sich und landen, wenn sie nicht unterwegs sterben, wo? Natürlich in Südspanien, wo sie dann auf den Tomatenplantagen arbeiten. Ein Teufelskreis.
Wie kann man solche Strukturen überwinden, in denen jeder Beteiligte Täter ist und sich selbst zugleich als Opfer sieht. Das Feature mündet in die Überlegung, ob unser Machbarkeitswahn, der dem Turmbau zu Babel ähnelt, nicht in eine Sackgasse läuft. Mit reiner Vernunft, sind die Probleme nicht lösbar. Es braucht eine "andere Logik".
Und das ist meiner Meinung nach das, was unter anderem der Papst, in Lateinamerika zu sagen versucht hat: Es braucht die Logik des Glaubens, die die Dinge auf den Kopf stellt. Eine christliche Logik der Liebe, die unlogisch ist, weil sie nicht den eigenen Vorteil sucht. Und diese Logik, sagt der Papst, kann nur aus jedem einzelnen Individuum heraus erwach(s)en, sobald man versucht, sie zu institutionalisieren, wird sie zur Ideologie und anfechtbar. Ein nachvollziehbarer und sehr wichtiger Aspekt. Diese Perspektive hat der Papst wahrhaft auf die Spitze getrieben, indem er nicht nur an das Volk, sondern ganz konkret an die Politiker appelliert hat, ehrlicher zu sein und sogar die Drogendealer aufruft, das Unheil, das sie anrichten zu erkennen und umzukehren - Gott werde sie für ihre Taten zur Rechenschaft ziehen.
Trotzdem erscheint mir das alles noch ein wenig schwammig: ehrlich sein, Gutes tun ... ich frage mich, ob es genügt, es bei moralischen Appellen zu belassen (zum Beispiel den Verzicht auf Verhütungsmittel und sexuelle Enthaltsamkeit vor der Ehe).
Dinge in Bewegung
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Heute gabs allerhand Neues im Netz. Manche Dinge sind in Bewegung.
- Eine Kampagne "Steuer gegen Armut". An sich nichts Neues, aber
bemerkenswert ist die ...
Vor 2 Tagen
