Donnerstag, 28. Februar 2008

Weißt Du wieviel Sternlein stehen ...

... ja, wie war das noch mit den Sternlein? Bin gerade aus HH zurückgekommen. Habe gedreht für Sonntags über ein Projekt der Yehudi-Menuhin-Stiftung mit dem Titel Canto Elementar. Senioren gehen als Singpaten in Kindergärten, um mit den Kindern Volkslieder zu singen. Klingt zunächst nach irgendwelchen Alt-Nazis, die auf subversive Weise unseren Nachwuchs manipulieren wollen. Aber die Yehudi-Menuhin-Stiftung passt nicht so richtig dazu und ich habe mich höchstpersönlich überzeugt, dass es sich dabei um ein sehr hilfreiches Projekt handelt. Bester Beweis: die Kinder, die die zum Teil wirklich schweren Texte fast mühelos und begeistert mitsingen und wahrscheinlich Erinnerungen mitnehmen, die sie für den Rest ihres Lebens prägen. Tatsächlich hat man ja herausgefunden, dass sich heute alte Menschen, die an Demenz erkrankt sind, wundersamer Weise an solche alten Lieder und Texte erinnern und sozusagen in ihnen wieder aufwachen aus der Demenz. Dass viele heute immer noch Ressentiments gegen die alten Lieder hegen, haben wir tatsächlich den Nazis zu verdanken und der Generation danach, die jede Art gemeinschaftlichen Singens peinlich vermieden hat. Der Beitrag läuft am 16.3. in Sonntags als Teil des Schwerpunkts zum Welttag der Poesie. Und zu den Sternlein nur das hier ...

Mittwoch, 13. Februar 2008

Update 2008

Was bisher geschah: Der Jakobsweg liegt weit zurück. Die vier Teile sind in der Mediathek zu sehen (hier), die Langfassung leider nicht. Die wird aber am 24. März in 3Sat wiederholt und in dem Zusammenhang vielleicht auch gestreamt. In den vergangenen beiden Monaten war ich vor allem mit dem Film über Misereor beschäftigt. Das Projekt hat mich im Januar nach Brasilien geführt, in den Bundesstaat Pará an die sogenannte Sojafront. Dort ist der Regenwald am stärksten von der Abholzung betroffen, man spricht vom "Bogen der Zerstörung". Es geht zu wie im Wilden Westen, ein fast schon rechtsfreier Raum, in dem Großgrundbesitzer und Industrielle die Leute, die sie stören, einfach aus dem Weg räumen. So wie die Ordensschwester Dorothy Stang vor drei Jahren. Ihre Ermordung ging durch die Weltpresse. Sie wurde erschossen, weil sie illegale Holzfäller denunziert hatte. 800 weitere bekannte Morde sind ohne große Öffentlichkeit geblieben. Und die Tatsache, dass nur 4 Fälle zu einer Verurteilung der Täter mit Haftstrafe geführt haben, spricht für sich. Es ist irgendwie erstaunlich, dass wir von all dem nichts mit bekommen. Am 29. März gibt es immerhin 15 Minuten im ZDF-Dokukanal von mir über die Situation dort. Unsere Kühe grasen dort in Brasilien, weil das Soja, das unsere Fleischindustrie hier verfüttert dort angebaut wird, wo früher einmal Urwald stand. Und die wachsende Nachfrage nach Bio-Kraftstoffen (Deutschland will den Anteil bis 2010 auf 20% erhöhen!), vergrößert die Zuckerrohrplantagen im Süden Brasiliens, so dass die Sojafelder immer mehr Platz im Norden brauchen - im Urwald eben.  Das alles passt gut zu dem Thema, das mir gerade im Kopf herum schwirrt. Für unser Magazin "Sonntags" könnte man einmal die Probe aufs Exempel machen: Ist es eigentlich wirklich möglich, ethisch korrekt zu leben, oder überfordert uns die Gesamtgemengelage nicht heillos? Und wenn man auf bio und öko und nachhaltig umstellt, darf man dann nur noch "körner fressen" und endet depressiv und unglücklich? Warum dann überhaupt etwas tun? Naja. Und dann sehe ich Bruce in der ARD, der heute Madelaine zu einem neuen Outfit und Image und Selbstbewusstsein verholfen hat, indem er ihr neue Klamotten, das perfekte Make-Up und ein paar herzliche Umarmungen verpasst hat. Wir bräuchten wirklich mal jemanden, der uns kräftig in den Arm nimmt und sagt: Hey, Du schaffst das. Derr Gluck schteit vorr die Tuur. Du mosst ihm norr rreinlassen.