Montag, 16. April 2007

Lima 1

Wir haben in Lima eine private Pension (Google Earth) im Stadtteil San Miguel bezogen. Ist sehr preiswert und sehr angenehm. Wir haben praktisch eine Wohnung für uns alleine. Die Familie, die die Zimmer vermietet, wohnt im Nachbarhaus. Ganz in der Nähe gibt es ein Einkaufszentrum und die Hauptstraße ist um die Ecke, so dass wir mit dem Taxi überall hinkommen.

Der erste Einsatz in Lima war am Samstag mit Sr. Maria van der Linde, die ursprünglich aus dem Münsterland stammt - aus Borken! Sie ist seit mehr als 30 Jahren in Peru und inzwischen auch eingebürgert. Als gelernte Krankenschwester hat sie lange im staatlichen Gesundheitswesen gearbeitet und ist dabei mit der Tuberkulose in Kontakt gekommen.

TB ist in ganz Lateinamerika sehr verbreitet. Peru ist neben Brasilien eines der Länder, die am meisten betroffen sind. Mit ein Grund dafür ist auch die Situation in Lima, einer Stadt mit rund 8 Millionen Einwohnern, von denen die meisten in einfachen Hütten leben, die sie am Stadtrand in die Berghänge gebaut haben.

Lima selbst liegt am Meer und erstreckt sich dort über viele Kilometer in einer Küsten-Wüste.

Die Zustände in den Slums sind eine der Ursachen für die Ausbreitung der TB: Die mangelnde Hygiene und auch die Mangelernährung tragen dazu bei, dass sich die Krankheit vor allem unter den Armen ausbreitet. Das Problem ist schließlich die Behandlung der Krankheit, denn die staatlichen Stellen überlassen die Kranken meist sich selbst. Die Schwester hat nun eine Art Selbsthilfegruppe geschaffen. Die TB-Kranken treffen sich jeden Tag in einem der zahlreichen Gesundheitszentren, die die Schwester auch mit aufgebaut hat.

Dort bekommen sie eine Portion Milch, die aus Spenden finanziert wird und müssen ihre Medikamente einnehmen. Das geschieht unter den Augen der anderen, denn zum Teil gehören zur TB-Behandlung mehr als ein Dutzend verschiedene Tabletten und Präparate. Die Nebenwirkungen können erheblich sein und es kommt vor, dass die Patienten die Mittel wieder erbrechen. TB kann aber nur erfolgreich behandelt werden, wenn die Mittel wirklich kontinuierlich genommen werden, und damit die Kranken nicht einfach aussetzen, vielleicht, weil sie sich schlecht fühlen oder Angst vor den Nebenwirkungen haben, gibt es die Gruppen.

Manchmal kommen ganze Familien, die von der Krankheit betroffen sind. TB ist eine Tabu-Krankheit, ähnlich wie AIDS und so erfüllt die Gruppe auch den Zweck, Erfahrungen auszutauschen und einen Weg aus der Isolation zu finden. Andere sind auch betroffen und die Solidarität ist eine Ermutigung, die unangenehme Behandlung durchzustehen.
Inzwischen existiert ein ganzes Netz von Selbsthilfegruppen in Lima, ein Netz, dass auch politisch eine Lobby darstellt, denn letztendlich geht es Sr. Maria nicht darum, Tabletten zu verteilen, sondern die Situation der TB-Kranken zu verbessern und das heißt, die Armut in Lima zu bekämpfen. Das geht nur, wenn man die Lebensbedingungen der Menschen verbessert. Für dieses Engagment erfährt sie auch Gegenwind, zum einen politisch, aber auch innerkirchlich.

Gestern haben wir dann endlich eine Pause eingelegt und auf Kontrastprogramm geschaltet. Wir waren im Stadtteil Miraflores, der genau das Gegenteil von den Orten ist, die wir mit der Schwester besucht haben.

Larcomar (Google Earth) heißt dieser Ort oder auch dieses Gebäude, in dem sich das Marriot-Hotel befindet. Wir haben da nur mal die Lobby angeschaut - die Vorstellung, dass die Leute hier zum Teil für eine Nacht so viel Geld bezahlen, wie die Familie, die wir am Tag zuvor besucht haben nicht mal in einem Jahr zusammen bekommt, ist schon krass.

Lima liegt ja ungefähr 70 Meter über dem Meeresspiegel, Stadt und Strand sind durch einen Abhand getrennt und in diesen Hang hinein ist in Miraflores das Larcomar-Shoppingcenter gebaut, wo man auch gut essen und die Aussicht genießen kann.

Die Tage, die noch bleiben, verwenden wir jetzt darauf, uns mit Professor Salomon Lerner zu treffen, dem ehemaligen Vorsitzenden der Wahrheitskommission, die die Verbrechen im peruanischen Bürgerkrieg in den achtziger und neunziger Jahren aufgebarbeitet und unter anderem auch die Verstrickungen der Kirche in dieser Zeit aufgedeckt hat.