
Hier ein Bild der Plaza, also dem Stadtzentrum. Ein bedeutender historischer Ort, denn dort, wo der Brunnen steht, etwas unscheinbar vor der Kirche St. Franziskus, hat Francisco Pizarro den letzten Inkaherrscher Atahualpa getoetet. Der hatte sich zuvor durch einen Handel versucht zu befreien: Er hatte dem Spanier angeboten, ein ganzes Zimmer voll Gold als Loesegeld fuer seine Freiheit zu bezahlen. Die Geschichte zeigt, dass dieser Ort schon immer mit dem Gold verbunden war. Unweit der Stadt liegen die modernen Goldminen, die wir morgen besuchen. Heute wird das Gold mit Zyanit ausgewaschen, was erhebliche Umweltgefahren mit sich bringt, aber dazu dann mehr.

Lange war die Stadt ein kleines koloniales Nest, bis die Goldminen vor rund 15 Jahren alles veraendert haben. Inzwischen hat sich das Stadtgebiet mindestens verfuenffacht. Viele Campesinos, denen die Mine ihr Land abgeluxt hat, sind in die Stadt gezogen und leben heute in aermlichen Verhaeltnissen.

Wir haben heute einen solchen Campesino besucht: Nicolas hat schon vor vielen Jahren sein Land, immerhin 300 Hektar, an die Mine verkauft, fuer etwa 30.000 Dollar. Heute wuerden er und seine Frau am liebsten alles rueckgaengig machen.

So ganz genau habe ich noch nicht verstanden, wie die Mine es geschafft hat, ihm das Land abzunehmen, aber es hat auch viel damit zu tun, dass er weder lesen noch schreiben konnte und offenbar gar nicht richtig verstanden hat, was geschieht. Von der rosigen Zukunft, die er sich damals ausgemalt hatte - oder die ihm von den Minen-Vertretern ausgemalt wurde, hat sich jedenfalls nichts realisiert und damals wie heute koennen die wenigsten mit dem vielen Geld und der "neuen Existenz" richtig umgehen. Da ist ganz schnell alles verloren.

Die Mine sorgt bis heute fuer Streit und treibt auch die Leute auf die Strasse - wir sind heute in eine Demonstration geraten, worum es genau ging, haben wir nicht in Erfahrung bringen koennen, aber letztlich geht es immer um das Gold. Mehr als ein Drittel der gesamten Region steht bereits der Mine zur Verfuegung, denn das peruanische Gesetz erlaubt nur den Privatbesitz der Oberflaeche bis zu einem Meter darunter. Was dann kommt, gehoert dem Staat und die Regierung hat der Mine die Erlaubnis erteilt, die Region auszubeuten, vorausgesetzt, es kommt zur Einigung mit den Menschen, die das Land besitzen. Wie diese Einigung aussieht, kann man sich vorstellen. Die Bauern werden erheblich unter Druck gesetzt und auch der Priester, Marco Arana, mit dem wir heute unterwegs waren spuert diesen Druck. Er und die Mitarbeiter seiner Umweltschutz-Initiative "Grufides" werden bespitzelt und es gab auch schon Morddrohungen. Morgen fahren wir zu einem Treffen mit Campesinos, die sich gegen die Mine wehren wollen.

Das Problem ist, dass der Padre zwischen allen Stuehlen agiert. Nicht nur die Mine feindet ihn an, nicht nur die Leute, auch Campesinos, die vom Goldabbau profitieren oder zumindest glauben, sie koennten profitieren. Auch der Bischof und damit die Amtskirche vor Ort ist im Prinzip gegen die Arbeit von Grufides. Der Bischof hat von der Mine 120.000 Dollar bekommen - hat sich also kaufen lassen. Die Sache hat allerdings auch einen theologischen Hintergrund, denn letztlich steht der Bischof, ebenso wie sein spanischer Vorgaenger, fuer eine Position, die den Rueckzug der Kirche in ein spirituelles Ghetto propagiert.

Fuer politisches Engagement ist in diesem Welt- und Gottesbild kein Platz. Und scheinbar ist das auch die Linie des Vatikan, denn im Grunde steht das Engagement gegen die Umweltverschmutzung und die Ausbeutung von Erde und Menschen hier in der Region ganz in der Tradition der Kirche des Zweiten Vatikanums, aus der hier in Lateinamerika die Befreiungstheologie hervorgegangen ist. Die Verurteilung der theologischen Schriften von Jon Sobrino, einem der bekanntesten Befreiungstheologen, vor wenigen Wochen macht deutlich, wo heute amtskirchlich die Prioritaeten liegen. Soziales und politisches Engagement kommt da jedenfalls ganz am Schluss - wenn ueberhaupt - vor.

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